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Radtouren in deutschen Städten


Wenn die ersten Sonnenstrahlen den Frühling ankündigen, hält uns nichts mehr in der Wohnung. Sagen Sie dem Winter ade und holen Sie Ihr Fahrrad aus dem Keller. Warum nicht bei kleinen oder großen Radtouren den Winterspeck abtrainieren, endlich in die Sonne blinzeln und nebenbei einmal eine fremde Stadt oder auch die eigene neu entdecken? Fünf Großstädte stellen wir vor, die ein besonders großes Herz für Radfahrer haben.
ANTJE URBAN


Das mehr als 650 Kilometer lange Radwegenetz Berlins führt Besucher beim Sattel-Seeing auch an der Spree lang.

Berlin per Pedales

Berlin ist dynamisch, ist rasant und rastet nie. Keine andere Stadt Deutschlands kann mit so vielen Gegensätzen, so viel Geschichte und Sehenswürdigem aufwarten. Ebenso facettenreich und vielfältig wie die Stadt selbst, ist auch ihr Angebot an geführten Sightseeing-Radtouren und Möglichkeiten, die Metropole auf eigene Faust mit dem Bike zu erkunden. Derzeit wird auch eifrig am Ausbau der Fahrradrouten gearbeitet. Von insgesamt 27 geplanten Strecken sind bereits 20 fertiggestellt, das sind rund 650 Kilometer Radwege. Hinzu kommen sieben Radfernwege.

No risk, no fun?
Für manchen stadtunerfahrenen Freizeitradler ist das Getümmel im Großstadtverkehr mitunter ein wenig gewöhnungsbedürftig. Leider ist die Zahl der Fahrradunfallopfer in Berlin auch nur leicht rückgängig. Die Stadt bemüht sich, die Situation zu verbessern. Die neuen beschilderten Radwege, die Berlin sternförmig durchziehen und zwischen denen nun noch Querverbindungen angelegt werden, führen zumindest größtenteils durch ruhige Nebenstraßen oder Grünanlagen. Und das ist der Reiz. Denn vor allem in den engen Seitengassen, in die sich keine Touristenbusse drängen können, lassen sich ganz eigene Entdeckungen machen.

Ick bin een Berliner
Wer sich in Berlin aufs Rad schwingt, ist mittendrin und das lästige Gefühl, ein Tourist zu sein, schwindet automatisch. Das Beste ist, die Glanzpunkte Berlins lassen sich mit dem Rad perfekt erreichen. Zum Beispiel vom Roten Rathaus über den Alexanderplatz und die Karl- Marx-Allee mit ihren architektonisch interessanten Stalin-Bauten bis nach Lichtenberg und Marzahn. Oder auf der „Studentenroute” von der Freien Universität im idyllischen Dahlem bis nach Kreuzberg. Der bunte Kreuzberger Kiez rings um die Bergmannstraße, Chamissoplatz und Südstern mit seinen vielen kleinen Läden, Kneipen und Cafés lässt sich ebenfalls vom Sattel aus erkunden.

Nightseeing mit dem Drahtesel
„Det is voll entspannt”, sagt Matthias Wiedemann, der Fahrradgruppen für „Berlin on Bike” in den Berliner Osten oder durch die Berliner Nacht führt. Mit entspannt meint er die Verkehrssituation für Radfahrer. Wichtig sei nur, dass die Räder gut mit Lichtern ausgestattet sind. Matthias ist Spezialist für die Szenebezirke in Berlin. „Die Leute wollen doch Kontraste sehen und die haste in Berlin genügend.” So führt er die Truppe abends vier Stunden vom Mikrokosmos Prenzlauer Berg, in die ehemaligen Punk-Hausbesetzer-Viertel in Friedrichshain und weiter nach Kreuzberg. „Das ist wie Straßenkino. Ich stupse die Leute auch gerne mal in ungemütliche Ecken, da entdecken sie die besonders reizvollen Kulissen.” Die Einkehr auf eine typische Berliner Weiße oder ein Berliner Pilsner ist bei der Tour selbstverständlich.

Wo stand eigentlich die Mauer?
Das ist die Frage, die die meisten Besucher Berlins stellen. Wer sich auf eigene Faust die alten Grenzen West- Berlins noch einmal vergegenwärtigen will, dem liefert das Buch „Berliner Mauer-Radweg” von Michael Cramer (erschienen im Esterbauer Verlag) 19 Touren entlang des ehemaligen Mauerstreifens sowie aufschlussreiche Beschreibungen.
Ebenso spannend ist es, sich mit einem „Ossi” auf die Suche nach dem Charme alter DDR-Zeiten zu begeben. „Osten ungeschminkt” nennt Berlin on Bike die Tour, die rund sechs Stunden am ehemaligen Stasi-Knast, der Stasi-Zentrale, an Industriegebietsruinen und Plattenbauvierteln vorbeiführt. Würze erhält die Exkursion durch persönliche Geschichten und Anekdoten aus den Alltäglichkeiten der DDR. In der Mittagspause ist tiefes Eintauchen in die Mentalität angesagt beim Besuch der Vereinsgaststätte in der Laubenkolonie.

Das Alte Museum befindet sich im Lustgarten in unmittelbarer Nähe zum Berliner Dom und ist ideal mit dem Fahrrad zu erreichen.
 
Mauerpark Berlin.
     
Auf der 22 Kilometer langen „Osten ungeschminkt-Tour” geht es auch an Kaderschmieden der DDR, Stasi-Zentrale, Mauerresten und Denkmälern vorbei.
 
Berlins Radwege verlaufen häufig entlang der Spree und vorbei an berühmten Bauwerken und Kirchen.
     
     
   

Visionär auf einem schwimmenden Ponton in der Nachmittagssonne dösen oder unter freiem Sternenhimmel am Abend chillen. Auf den Planken des Treptower Ufers, direkt am Flutgraben, reihen sich schwimmende Holzpodeste mit Liegestühlen, Blumenranken und bunten Sesseln aneinander. Der Club der Visionäre ist schon fast legendär für seine Urlaubsatmosphäre. Tagsüber gibt es Kaffee und Kuchen, am Abend wird der Club zur Bar mit elektronischer Musik. Club der Visionäre, Am Flutgraben 1, Kreuzberg.
Nicht nur für Visionäre, sondern auch für Veggies und Veganer ist Berlin ein Schlaraffenland. Das neu eröffnete Restaurant Kopps verwöhnt mit deftigen und rein pflanzlichen Speisen, wie zum Beispiel vegane Roulade nach „Rinder Art” mit Blaukraut und Kartoffeln. Linienstr. 94, nähe Hackescher Markt.

Gut zu wissen
www.BBBike.de ist ein Fahrradroutenplaner für Berlin und Potsdam. Einfach die gewünschte Straße nennen, die auf dem Weg liegen soll, und angeben, welche Geschwindigkeit beziehungsweise welchen Straßenbelag und Straßentyp man bevorzugt. BBBike ermittelt dann entsprechend den Vorlieben die günstigste Strecke und liefert eine detaillierte Beschreibung und alle wichtigen Daten dazu.

 

Frühlings-Tipp:
Nichts spiegelt die Multikulturalität und Vielfalt der Berliner Gesellschaft besser wider als das größte Fest der Stadt: der Karneval der Kulturen. Vom 25. – 28. Mai 2012 werden wieder mindestens 96 Gruppen, 4.758 Teilnehmer, 67 Wagen, 70 Nationen vereint in Karnevalskunst erwartet. 350 Stände und vier Bühnen liefern im Szenestadtteil Kreuzberg zudem Kulinarisches und Musik aller Kontinente. Der ‚Grüne Bereich’ in der Zossener Straße bietet einen eigenen Raum für Projekte und Firmen, die sich im Sinne der Nachhaltigkeit engagieren, vom bio-zertifizierten Kaffee bis hin zum Fahrrad-Stromerzeuger.

 

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