Fahrradhauptstadt Münster
In Münster bekommen neugeborene Babys anstelle eines Schnullers gleich ein Fahrrad. So könnte man glauben angesichts der Fahrradflut. Münster, die altehrwürdige Bischofsstadt, ist geprägt von umherflitzenden Radfahrern, von Fahrrad-Parkplätzen, die sich auf riesigen Flächen erstrecken, und von unzähligen Fahrrad-Mietstationen für diejenigen, deren Fahrrad geklaut wurde oder kaputt ist. Und welche andere Stadt kann zudem mit einer Fahrrad-Waschanlage und einem Fahrrad-Parkhaus aufwarten? Aber vor allem fallen die vielen gut ausgebauten Radwege auf, die durch die gesamte City führen. Nicht ohne Grund ist Münster Dauersieger im Fahrradklimatest des ADFC. Das westfälische Großstädtchen mit rund 288.000 Einwohnern steht generell gerne auf dem Siegertreppchen. Gold gab es zum Beispiel 2004 beim LivCom-Award der Vereinten Nationen als „Lebenswerteste Stadt der Welt”. Für seine besonderen Klimaschutz-Projekte erhielt Münster 2005 und 2009 den European Energy Award in Gold. Und 2006 wurde Münster von der Deutschen Umwelthilfe bereits zum zweiten Mal als „Bundeshauptstadt für Klimaschutz” ausgezeichnet. Es lohnt sich also allemal, die Lebens- und Liebenswürdigkeit der Fahrradhauptstadt Deutschlands einmal selbst zu testen.
Auf die Leeze, fertig, los!
Auch heute noch nennen die Münsteraner ihr Fahrrad liebevoll „Leeze”. Das Wort stammt aus der Sondersprache „Masematte”, die einst als Soziolekt im 19. Jahrhundert in den Elendsvierteln gesprochen wurde. Die sogenannten „Leezentouren” durch die Stadt sind für Besucher ein entspanntes Vergnügen. Separate Ampelanlagen und Abbiegespuren sowie Wegweiser allerorts sind selbstverständlich und kaum eine Straße oder Gasse ist ohne „Pättkes”, wie man in Münster die Radwege nennt. Die 4,5 km lange Promenade ist als Verteilerring rund um den Innenstadtkern Radfahrern und Fußgängern sogar gänzlich vorbehalten. Sie verbindet das Schloss Münster mit dem Hauptbahnhof, der Radstation und dem Freizeitgelände am Aasee. Somit kann man per „Leeze” über den alten Festungsring der Stadt jede Sehenswürdigkeit in der Altstadt ansteuern. Der beschauliche Aasee liegt direkt neben der Altstadt. Hier lohnt sich der Besuch des Museumsdorfes mit Häusern aus dem 17. Jahrhundert. Der See wurde allerdings auch bekannt durch die unglückliche Liebe eines schwarzen Schwans mit einem weißen Tretboot.
Bei Störchen und Ruderwanzen
Das Europareservat „Rieselfelder Münster” liegt etwa sechs Kilometer nördlich des Stadtzentrums. Wo früher das Abwasser der Stadt geklärt wurde, erstreckt sich jetzt ein 450 Hektar großes, von Menschenhand geschaffenes Feuchtgebiet. Es dient Zugvögeln als Rast- und Mauserplatz, ist Reservat für Wat- und Wasservögel und viele europaweit bedrohte Vogelarten. Aus der Luft gesehen bieten die Rieselfelder das Bild einer großen Seenplatte mit über 130 Einzelteichen. Im Frühling erwartet Besucher mit ein wenig Glück die Aussicht auf zurückkehrende Zugvögel. „Viele nordische Arten, die auf dem Weg in die Tundrengebiete Sibiriens oder Skandinaviens sind, machen hier ihren Zwischenstopp”, erklärt Hans-Uwe Schütz vom Biologischen Institut. Wer sich für das Vogel- und Wassergetier interessiert, dem werden unterschiedliche Führungen geboten. Schütz ist stolz, die größte Froschpopulation Nordrhein-Westfalens zu beherbergen. „In den Rieselfeldern ist eine Fläche von rund 250 Hektar bewässert, das hat uns unzählige Amphibien beschert.” Mit dem Rad ist das Naturerlebnisgebiet von der Innenstadt leicht zu erreichen und kann durchweg befahren werden. Dank vieler Frühblüher und tausenden von Weidengebüschen ist es auch schon ab Februar rundherum grün und eine Wohltat nach dem Wintergrau.
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![]() Vegetarisch, vegan, aber vor allem biologisch rasten und genießen lässt es sich hervorragend im Café Prütt, in der Bremer Str. 32, nahe des Hauptbahnhofs. Ebenso ist der ökologische Bauernmarkt, der an jedem Freitagnachmittag von 12 bis 18 Uhr auf dem Domplatz in Münster stattfindet, einen Besuch wert. Von März bis Oktober steht hier der Nabolito-Imbiss von Achim Katter, der heimisches Bio-Gemüse zu vegetarischen Spezialitäten nach regionalen und mediterranen Rezepten verarbeitet. |
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Gut zu wissen |
| Frühlings-Tipp: Open-Air-Festtafel Mitten auf dem Prinzipalmarkt Platz nehmen können Bürger und Gäste am Tag der Internationalen Hanse am 19. Mai 2012. Münsters schönster Innenstadtplatz verwandelt sich in einen Freiluft-Speisesaal, wenn die Kaufleute hier zum Hansemahl vor historischer Kulisse einladen. Persönlich bewirten sie ihre Gäste an der hundert Meter langen, rot-weiß dekorierten Festtafel mit typisch westfälischen Schnittchen, Bier und Wein. |







