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Lust auf Schnee


ANTJE URBAN
Urlaub in den Bergen muss nicht unbedingt immer nur auf der gleichen Abfahrtspiste stattfinden. Wer auf der Suche nach neuen Ideen für die schönste Zeit im Schnee ist, dem stellen wir hier Ziele vor, die auf sanften Tourismus setzen und auch noch nachhaltig für Erholung sorgen.

D er strahlend weiße Schnee blendet in der Sonne. Jetzt einen tiefen Atemzug der frischen kalten Winterluft nehmen und ab geht es den Berg hinunter. Wer auf einer gut präparierten Piste den Berg hinunterrasen kann oder in glitzerndem Schnee mit Langlauf seinen Körper fordert, der fühlt sich in der Natur frei und gesund. Allerdings fragen sich immer mehr Menschen gerade im Winterurlaub, ob die Natur nicht unter dem Tourismus leidet.

Grundsätzlich steht fest: Reisen ist immer mit mehr oder weniger großen Umweltschäden, Ressourcenverbrauch, Emissionen von Schadstoffen und Klimagasen verbunden. Bei rund 900 Millionen Reisenden jährlich verantwortet der Tourismus laut Welt Tourismus Organisation WTO circa fünf Prozent der globalen Emission von Treibhausgasen. Das Bewusstsein dessen ist in den letzten Jahren aufseiten der Industrie und der Urlauber gestiegen, sodass die Nachfrage nach sogenannten Öko-Reisen zunimmt. Der Begriff selbst wurde bereits in den 1960er-Jahren geboren, fand aber erst in den 80er-Jahren seine Entwicklung, als der Trend erwachte, entlegene Orte und Landschaften mit intakter Natur zu bereisen. Heute spricht man häufiger von sanftem oder nachhaltigem Tourismus, was nichts anderes bedeutet als Verantwortung zu übernehmen für die ökologischen, sozialen und ökonomischen Seiten des Fremdenverkehrs.

Skifahren und Nachhaltigkeit – ein Widerspruch?
Wie hält es sich mit dem Umweltschutz beim Wintertourismus? „Die größte Belastung für Natur und Umwelt liegt zweifellos in der Erschließung der Gebiete für den alpinen Schneesport. Dafür mussten Bergwald gerodet, Pisten planiert und möglicherweise Zufahrtsstraßen gebaut werden. Doch der Großteil der Gebiete ist bereits erschlossen. Es gibt Bestrebungen, weitere Neuerschließungen zu verhindern. Darüber hinaus werden diese auch durch das Instrument der Umweltverträglichkeitsprüfung in der Praxis eingeschränkt. Hier ist die Umsetzung in den Alpenländern durchaus verschieden”, sagt Alexandra Jiricka von der Stiftung pro natura – pro ski.

Der Wertewandel hat in vielen Wintersportregionen Einzug gehalten. Selbst der Internationale Skiverband spricht sich nunmehr nicht mehr nur für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Skisports aus, sondern auch für die Erkenntnis, dass Skisport nachhaltig nur im Einklang mit der Natur gesichert werden kann. Seither bemühen sich viele Skigebiete um die Verbesserung ihrer Umweltstandards. Die Stiftung pro natura – pro ski hat dazu bereits 2003 einen Leitfaden erarbeitet, der eine systematische Überprüfung und Bewertung von Skigebieten ermöglichen soll. Ziel ist, dass alle Skiorte zu einem Umweltmanagement kommen, das der Belastung Rechnung trägt. „Dazu gehört im Wesentlichen, dass es immer Anreisemöglichkeiten mit der Bahn gibt. Auch die Gletschergebiete müssen geschont werden. Wegen der verstärkten Gletscherschmelze ist vom Sommerbetrieb mehr und mehr abzuraten”, erklärt Jiricka. Größere Gebiete hätten es laut Jiricka einfacher. Orte wie Davos, Lech oder Zermatt seien positive Beispiele für die Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Alpen brauchen Schutz
Ein ebenso gutes Beispiel, wie auch länderübergreifend der Bemühung nach verbesserten Umweltstandards nachgegangen werden kann, zeigt sich bei den Alpen-Anrainerstaaten. Die Alpen sind nicht nur die schönste Skiregion, sondern mit etwa 120 Millionen Feriengästen und 500 Millionen Übernachtungen jährlich eine der größten Tourismusregionen der Welt. Im Bewusstsein dessen, dass die ständig wachsende Beanspruchung durch den Menschen den Alpenraum in zunehmendem Maße gefährdet, wollen die Vertragspartner der Alpenkonvention die Region zu einem Vorbild in Sachen Klimawandel entwickeln. Dem nachhaltigen Tourismus hat sich ebenfalls das Netzwerk Alpine Pearls verschrieben. Unter der alpenweiten Dachmarke setzen sich 24 Sommer- und Winterdestinationen der Alpen für stressfreien Urlaub mit Klimaschutz ein. Allerdings steht dabei die sanfte Mobilität im Mittelpunkt. Jeder Ort hat sein individuelles, klimaschonendes Mobilitätsangebot, das Gäste mit attraktiven Zusatzleistungen vom autofreien Urlaub überzeugen soll.

Umweltzeichen können Orientierung geben
Doch Erholungssuchende, die bei der Buchung ihrer Reise auf eben diese Kriterien Wert legen, haben es nicht leicht, sich im Dschungel der seriösen und unseriösen Anbieter zurechtzufinden. In Katalogen und im Internet sind mittlerweile viele Umweltzeichen zu finden. Einen guten Überblick über die Fülle gibt die Webseite des Bundesverbandes Verbraucherinitiative e.V. auf www.label-online.de.

Als „empfehlenswert” bewertet der Verband das Corporate Social Responsibility (CSR)-Siegel, das umwelt- und sozialverträgliche Reisen auszeichnet und von TourCert, der gemeinnützigen Gesellschaft für Zertifizierung im Tourismus, verliehen wird. Mit dieser Auszeichnung schmücken sich mittlerweile 140 Reiseveranstalter, die im „forum anders reisen” zusammenkommen. Maßstäbe des Forums bildet ein Kriterienkatalog, der ökonomische, ökologische und soziale Dimensionen einer Reise genauso wie die Verantwortung gegenüber dem Reisenden aufweist. Auf der gleichnamigen Internetseite wird ein breites Spektrum an Reisen angeboten, darunter viele Winterarrangements.

Fündig wird der verantwortungsbewusste Globetrotter auch auf der unabhängigen Plattform Traverdo, die alle individuellen Anbieter nachhaltiger Reisen mit CSR-Siegel bündelt. Untergliedert nach Reise-Interessen oder Zielgruppen sind weltweit fast tausend Angebote im Programm, darunter circa 100 bis 200 Winterangebote.

Ein weiteres Umweltzeichen hat es in die erste Liga geschafft: Viabono heißt die von den Verbraucherschützern empfohlene Tourismusmarke. Viabono wurde auf Initiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und des Umweltbundesamtes gegründet und wird heute vom Viabono-Trägerverein mit 22 Organisationen aus Verbraucherschutz, Umwelt und Tourismus getragen. Hotels, Gaststätten, Naturparke, Kommunen oder Campingplätze können nach Prüfung der Kriterien, die weit über den gesetzlichen liegen, einen Lizenzvertrag erwerben und mit dem Zeichen werben.

Verantwortung übernehmen
Wer also die weiße Pracht in intakter Natur erleben möchte, hat es heutzutage selbst in der Hand, seine Reise umweltbewusst zu planen, auf nachhaltige Winterdomizile zurückzugreifen und schon bei der Anreise Treibhausgase zu vermeiden.

Nachhaltiger Tourismus ist keine Erfindung, um die Reiselust einzuschränken. Der Begriff steht vielmehr für die Idee, bewusster und zugleich erlebnisreicher zu verreisen. Ausreden braucht es also schon allein aufgrund der Vielzahl an Angeboten nicht mehr.

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