Lust auf Power! Boxen mit Ina Menzer
DAGMAR SAUER - Fotos: JOHN FENKL
Frauenboxen ist nicht feminin und nicht salonfähig? Stimmt nicht. Ganz und gar nicht, wie Ina Menzer beweist. Wir haben die Profiboxerin in Hamburg besucht und herausgefunden: boxende Frauen sind nicht nur äußerst weiblich, sondern das Boxtraining ist auch eines der besten Figurprogramme überhaupt und bringt darüber hinaus Körper und Seele in Einklang.
Lange galt der Boxsport als primitiv und wurde in die Schmuddelecke verbannt. Kämpfende Männer, wollten nur bestimmte Schichten sehen, so hieß es. Mit Idolen wie Max Schmeling, Muhammad Ali oder Wladimir und Vitali Klitschko erhielt dieser Kampfsport jedoch nach und nach Gesichter, die Geschichte schrieben, auf die ihre Nationen stolz waren und die deshalb mit Ruhm und Ehre überschüttet wurden.
Weibliche Kämpfer
Was aber noch lange nicht hieß, dass auch Frauen in den Ring steigen sollten. Das nämlich galt als weitaus verpönter. Es sei nicht feminin, zu brutal und schon gar nicht gesellschaftsfähig. Vorurteile und Diskriminierungen, diktieren das Boxen für Frauen über Jahre hinweg. Und doch schwangen die Damen ihre Fäuste und kämpften auch öffentlich. Als Hitler an die Macht kam, wurde Damenboxen gänzlich verboten. Der erste öffentliche Frauenboxkampf in Deutschland nach 1923 fand erst wieder im Jahr 1994 statt. Profiboxerinnen gab es jedoch schon zuvor. Zwei Jahre später wurde das Amateurboxen für Frauen legalisiert. Nicht aber, ohne zuvor heftige Diskussionen ausgelöst zu haben: Der britische Verband BBBC äußerte unter anderem Bedenken, dass Frauen aufgrund ihrer monatlichen Menstruation mental nicht stabil genug und deshalb für das Boxen völlig ungeeignet seien. Auch machten Diskussionen um ein erhöhtes Brustkrebsrisiko die Runde.
Belegt werden konnten all diese Mutmaßungen, die zumeist von Männern aufgestellt wurden, jedoch nicht. Zum Glück. Denn gerade Deutschland ist eine echte Talentschmiede für Boxerinnen, auf die wir mehr als nur stolz sein können. Vorreiterin für alle boxenden Frauen in unserem Land war Regina Halmich, die von 1995 bis 2007 ungeschlagene Weltmeisterin im Fliegengewicht des Verbandes WIBF war und zum Teil bis zu 8 Millionen Menschen vor die TV-Bildschirme lockte.
Boxerin oder Balletttänzerin?
Eine große Karriere legt die 30-jährige Ina Menzer hin. Die in Kasachstan geborene Boxerin steigt seit dem Jahr 2004 für Deutschland in den Profi-Boxring und war bis Mitte 2010 Weltmeisterin im Federgewicht in gleich drei Verbänden (WIBF, WBC und WBO). 26 Kämpfe blieb sie ungeschlagen, im 27. verlor sie gegen Jeannine Garside nach Punkten. „Mein Ziel ist es natürlich, mir meine Titel wieder zurückzuerobern”, sagt Ina Menzer bestimmt.
Ehrgeizig ist die zierliche Boxerin, die so gar nicht nach Kampfsportlerin aussieht. Wobei man wieder bei der Frage wäre, wie man sich eine Boxerin denn vorstellen muss. 165 Zentimeter misst Ina Menzer, sie ist durchtrainiert, ohne jedoch „bullig” zu wirken. Im Gegenteil. Man würde ihr sogar abnehmen, Balletttänzerin zu sein. Definiert ist ihr 58 kg leichter Körper, schön und weiblich ihre Proportionen.
Und darauf legt Ina Menzer auch wert. „Sie ist schon sehr eitel und achtet sehr darauf, stets adrett und feminin zu sein”, verrät Ehemann Denis, mit dem sie seit über zehn Jahren zusammen ist und der es am Anfang ihrer Beziehung sehr exotisch fand, dass seine Freundin Boxerin ist. „Aber man sieht ihr das Boxen eben überhaupt nicht an – einzig im Wettkampf, da verändert sich ihr Gesichtsausdruck, da taucht Ina in eine andere Welt ein.”
Das beste Training
Farbenfroh sind Ina Menzers Sportklamotten, hart dagegen ist ihr Training. „Das Boxtraining ist ein echtes Ganzkörpertraining. Ich würde sogar sagen, es ist das beste, das es gibt”, so die Hamburgerin. Und die Übungen an sich haben mit harten Schlägen nichts zu tun. Die Ganzkörperfitness steht auf dem Programm - ideal für jede Frau. „Wir brauchen wirklich jede Muskelgruppe, trainieren Koordination, Balance und Muskelkraft. Frauen, die körperlich wirklich fit und durchtrainiert sein wollen sollten sich beim Boxverein anmelden. Es gibt auch immer mehr Trainingskurse speziell für Frauen.” Darüber hinaus vermittelt Boxen nicht nur ein gutes Körpergefühl, sondern auch eine ausgeglichene Mentalität und fördert das Selbstbewusstsein.
Boxen ist mein Leben
Zum Boxen kam Ina Menzer nur per Zufall, heute sagt sie allerdings: „Boxen ist mein Leben. Ohne Wenn und Aber.” Begonnen hatte Ina Menzer mit Kung-Fu. „Das Boxen war mir nicht feminin genug, so glaubte ich selbst. Doch nach meinem ersten Training wurde ich vom kompletten Gegenteil überzeugt.” Und der Funke war übergesprungen. Schnell machte sich das Talent der rotblonden Schönheit bemerkbar und sie schlug die Amateurlaufbahn ein. Mit 23 Jahren stand die hübsche Boxerin an einem Wendepunkt in ihrem Leben: BWL studieren oder weiter Boxen? „Dann erhielt ich einen Profivertrag vom Universum-Boxstall in Hamburg und unterschrieb ihn. Seit dem bin ich Profi.” Ein Punkt, der ein weiteres Vorurteil des Boxsports, nämlich Boxer haben nichts im Köpfchen, aufs Beste revidiert. Ina Menzer setzt sich ein, nicht nur im Ring. Mit der gleichen Leidenschaft betreut sie Charity-Projekte, bringt jungen Menschen den Boxsport nahe und gibt Kurse rund um den Globus. Das Boxen noch mehr salonfähig zu machen und das Frauen-Boxen wieder mehr in den Fokus zu rücken, sind ebenfalls zwei Herzensangelegenheiten. Und wie wir Ina Menzer kennengelernt haben, so wird sie auch diese Punkte realisieren können. Vielleicht ja schon im nächsten Jahr – da nämlich wird Frauenboxen erstmals bei den Olympischen Spielen vertreten sein.
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