So weit die Füße tragen
ANTJE URBAN
Beim Wandern entspannt sich der Geist und gesund ist es allemal. Nicht allein deshalb ist Wandern, das lange als Senioren- Hobby galt, für viele Menschen zur liebsten Freizeitbeschäftigung geworden. Ob beim Pilgern, beim anstrengenden Gipfelaufstieg oder beim gemütlichen Wochenendausflug ins Grüne, ein positiver Effekt für Körper, Geist und Seele ist das Ergebnis einer jeden Wanderung. Dafür braucht es nicht unbedingt eine Reise in die Ferne, denn Deutschland hat bezaubernde Landschaften zu bieten und die Alpen – des Wanderers liebstes Ziel – sind auch nicht weit. Wir stellen Ihnen sieben einladende Touren vor, für Familien, Genießer, sportliche Wanderer und sich Suchende. Steigen Sie aus dem Alltag aus und ein in die Natur.
"Schräg fallen Bündel glitzernder Strahlen durchs Geäst und zaubern abertausende Muster von Licht und Schatten auf den Waldboden. Die Luft ist kühl kristallen, durchwoben von Wolken aromatischer Düfte, die dem Pflanzenteppich vom Grunde des Waldes entströmen – mal würzig, mal betörend und dann wieder rätselhaft”, so beschreibt Wolfgang Lührs seine früh morgendliche Wanderung durch einen deutschen Wald in seinem Buch „Vom Wispern der Wälder und vom Wesen des Wanderns”.
Die Natur liegt Dir zu Füßen
Viele Sportarten im Freien geben uns ein Gefühl von Freiheit. Aber einzig beim Wandern verbinden wir uns mit der Schönheit der Natur. Wir nehmen uns Zeit und nehmen bewusst wahr, was uns umgibt. Wir erfreuen uns an den kleinen Aufmerksamkeiten, die uns die Natur auf unserem Wege schenkt. Nicht ohne Grund war die Natur den Künstlern der Romantik die Quelle ihres leidenschaftlichen Gefühls.
Natürliches Anti-Aging-Mittel
Laufen ist die natürlichste Grundbewegung des Menschen. Es stärkt die Muskulatur in den Beinen und der Rücken kräftigt sich schonend mit. Der Kreislauf kommt in Schwung, das Atemvolumen erhöht sich, Erkrankungen der Atemorgane werden gelindert, das Skelett wird gestärkt, Osteoporose vorgebeugt und die Luft stärkt das Immunsystem. Ganz nebenbei trägt das stete Laufen wirksam zum Abnehmen bei! Wanderforscher, die sich seit den 90er-Jahren mit dem Gesundheitsphänomen des Wanderns beschäftigen, fassen es prägnant zusammen: „Wandern ist ein physisches Breitbandtherapeutikum zur Vorbeugung von Zivilisationskrankheiten, zumal es so gut wie keine Nebenwirkungen hat und denkbar einfach auszuüben ist.” Man könnte sagen, es ist das beste natürliche Anti-Aging-Mittel.
Der Weg der Erkenntnis
Was gerne vergessen wird, ist die stimmungsaufhellende Wirkung, die uns das Wandern beschert. Auch Depressionen und Neurosen werden gerne mit Wandern therapiert. Es tut einfach der Seele gut. So ist auch die Renaissance des Pilgerns zu erklären. Dabei steht heute nicht mehr das Zurücklegen möglichst großer Strecken oder das Erreichen des Grabmals des Apostels Jakobus in Spanien im Vordergrund. Ein Teil des Jakobswegs führt zum Beispiel auch durch das Salzburger Land und Südost-Oberbayern, eine Route durch das Dekanat Bad Aibling. Ob nun aus religiösen oder spirituellen Gründen gepilgert wird, unumstritten ist, dass Gehen nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich bewegt. Kraft tanken, sich wieder auf das Wesentliche besinnen und auch mal körperliche Grenzen erfahren, das kann man auf langen wie auf kurzen Strecken erreichen.
Nachhaltig für Mensch und Natur
Der Wanderer lebt von geschützten Landschaftsräumen, von der Vielfältigkeit und Ursprünglichkeit der Wälder und vom schonenden Umgang mit der natürlichen Umgebung. Indirekt wirkt sich dieser Trendsport positiv auf den Umweltund Naturschutz aus, denn viele Gemeinden haben auch den ökonomischen Nutzen erkannt, was wiederum sowohl den Ausbau der Infrastruktur als auch Erhalt und Pflege von Kultur- und Landschaftsräumen fördert.
Eine weitere These ist, dass Wandern den Naturbezug durch das Naturerlebnis stärkt und dadurch neue Ansatzpunkte für einen nachhaltigeren Lebensstil bringt. Das Wandern in der Natur ist an vielen Orten möglich. Wer in der Stadt lebt, neue Gebiete erkunden will oder auch einfach nur die Berge liebt, der muss gegebenenfalls eine Anreise in Kauf nehmen. Allerdings kann die Anreise in den meisten Fällen mit dem öffentlichen Verkehr realisiert werden. Die Deutsche Bahn intensiviert die Anbindung an bekannte Erholungs- und Naturerlebnisgebiete in den letzten Jahren. Das Projekt „Fahrtziel Natur” zum Beispiel ist eine Kooperation der Deutschen Bahn zusammen mit den Umweltverbänden Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD). In dieser Konstellation engagieren sich die Partner dafür, das Naturerbe und die Biodiversität durch aktive Förderung des nachhaltigen Tourismus langfristig zu sichern. Das Projekt umfasst mittlerweile 20 Naturlandschaften vom Wattenmeer bis zum Alpenraum.
Doch wer sich in der Natur aufhält, muss auch selbst nachhaltig agieren. Dazu gehört vor allem der rücksichtsvolle Umgang mit Pflanzen, Tieren und Wegen. Daher sollte der Wanderer gerade in Schutzgebieten immer auf dem Weg bleiben. Selbstverständlich gehört kein Müll in die Landschaft und auch Pflanzen und Blumen gehören nicht als Souvenir in den Rucksack.
Wanderspaß für jedermann
Joggen, Bergklettern oder Nordic Walking, jede Sportart verlangt eine mehr oder weniger große Portion an Kondition, Wissen, Vorbereitung oder Erfahrung. Wandern kann jeder! Selbst Ungeübte, Ältere, Jüngere oder Menschen mit Übergewicht können dank der schonenden Bewegungsabläufe problemlos starten. Allerdings sollte man sich am Anfang nicht allzu lange Touren zumuten. Jede Wanderung muss zur eigenen konditionellen Verfassung passen und vorab geplant werden. Bei der Planung ist das ungefähre Tempo einzuschätzen. Ein guter Anhaltspunkt: Das Tempo beim gemütlichen Wandern liegt etwa zwischen drei und vier Kilometern pro Stunde, beim strammen Gehen werden fünf oder sechs Kilometer pro Stunde erreicht. Man sollte nicht über sein Leistungslimit gehen, aber ein wenig anstrengen und ein bisschen schwitzen schadet nicht. Gut ist, wenn es sich während des Gehens noch entspannt unterhalten lässt. Ein weiterer Vorteil dieser Freizeitbeschäftigung: Sie ist vergleichsweise kostengünstig. Gute Wanderschuhe sind empfehlenswert, aber grundsätzlich benötigt der Wanderer nicht unbedingt eine kostspielige Ausstattung.
Vom Stubenhocker zum Naturfreak
Wer kennt aus seiner Jugend nicht die langweiligen Wanderungen mit den Eltern durch den heimatlichen Forst. Einziges Highlight war die Einkehr in den nächstgelegenen Gasthof und das versprochene Eis. Eine Wanderung muss sich für Kinder nicht langweilig gestalten, wenn auch per se das Wandern durch die Landschaft für Kinder weniger attraktiv ist als für Erwachsene. Gerade für kleinere Kinder stehen Naturdetails, einzelne Tiere, Pflanzen oder Steine, im Vordergrund des Erlebens. Mit zunehmendem Alter hingegen wechselt die Perspektive auf die Landschaft als Ganzes. Eine Tour mit Kindern kann zum Abenteuer werden, wenn Eltern diesen Blickwinkel berücksichtigen und Routen wählen, die für Abwechslung sorgen. Enge Pfade, Schluchten, ein Wasserfall oder ein Waldlehrpfad sind spannend für Kinder. Empfehlenswert ist es, die Route in Etappen zu unterteilen und den Kindern bei Erreichen der Etappe die Pause in Aussicht zu stellen. Auch kleine Spiele oder das Suchen von Pflanzen während der Wanderung verkürzen die Zeit. Es schadet auch nicht, für die Pausen Spielideen parat zu haben. Am besten werden die Kinder schon bei der Planung mit einbezogen. Auf dem Kartenmaterial verzeichnete attraktive Wegabschnitte können bereits für Vorfreude sorgen.
Der Deutsche Alpenverein empfiehlt, mit Kindern im Kindergartenalter höchstens eine Gehzeit von drei bis vier Stunden einzukalkulieren. Schulkinder sind zu Tagestouren in der Lage, wenn Ruhephasen eingehalten werden und sie motiviert genug sind. Leicht werden die Kräfte von Kindern bei der Planung überschätzt. Wichtig: Die Zeitangaben in Tourenbüchern und auf Wegweisern entsprechen immer der Normalgehzeit für Erwachsene. Dabei ist die Gehzeit mit Kindern in den meisten Fällen doppelt so lang. Entspannter für alle ist es, wenn man zeitlich flexibel auf die Motivation, die Witterung und Kondition der Kinder eingehen kann. Für die Bergregionen rät der Deutsche Alpenverein dazu, den Bewegungsdrang der Kinder während der Pausen zu bedenken. Selbst in den Erholungsphasen rennen Kinder herum und wollen spielen. Ruhepausen werden bestmöglich an ungefährlichen Plätzen eingelegt. Oft fällt es an einigen Stellen neben dem Weg steil ab; eine gewisse Vorsicht, wenn man mit kleineren Kindern wandert, ist also notwendig.
Gerade in den Bergen kann sich das Wetter schnell ändern. Sobald Nebel aufzieht sowie an windigen Stellen kann es empfindlich kühl werden. Am besten ist ein wärmender Fleece immer mit dabei. Bei starker Sonneneinstrahlung ist auf jeden Fall auf ausreichenden Sonnenschutz zu achten. Beim Wandern mit Babys ist sicher weitaus weniger zu berücksichtigen und Eltern können beliebig nach ihren Interessen entscheiden. Wichtig ist aber, dass auch Eltern ihre Kräfte nicht überschätzen. Selbst das kleinste Baby in der Trage kann nach einer Weile ganz schön schwer werden.
Abenteuer für sechs Beine
Der Hund, der treue Begleiter durch den Alltag – warum nicht auch Wandergeselle im Urlaub? Hier gilt zunächst zu klären, ob der Hund alt genug ist, denn Junghunde müssen sich erst an längere Strecken gewöhnen. Ist der Hund konditionell in der Lage, mehrere Stunden zu laufen? Nicht alle Hunde eignen sich zum Wandern. Kleinere Gesellen müssen wohlmöglich zwischendurch getragen werden, größere wiederum können aufgrund ihres Gewichtes keine längeren Wanderungen unternehmen. Herrchen oder Frauchen sollten sich auf jeden Fall dem Tempo des Vierbeiners anpassen.
Bei Wanderungen in einer größeren Gruppe ist gerade bei Hütehunden darauf zu achten, dass sie gut und gern das Doppelte der Wegstrecke zurücklegen, weil sie die Gruppe durch regelmäßiges Umrunden „zusammenhalten”. Dann gibt es da noch den natürlichen Jagdtrieb im Wald und auf der Wiese. Daher sollte stets der Zweibeiner den Weg und das Ziel vorgeben und nicht der Vierbeiner. Auch das soziale Verhalten sollten Hundehalter auf Wanderungen und bei der Begegnung mit anderen Wanderern und Hunden gut einschätzen können.
Auch für das Tier gilt es, regelmäßige Pausen einzuhalten. Im Sommer ein schattiges Plätzchen, viel Wasser und etwas Futter sind unerlässlich. Hunde verletzen sich gerne mal im Wald mit Dornen oder Splittern. Ein Schutz dagegen sind Pfotenschuhe, sogenannte Booties. Auf jeden Fall sollte sich im Rucksack auch ein Notfallset für den Hund befinden. Am besten erkundigt man sich genauestens vorab über die Art der Strecke, denn Hunde sind zwar gerne in Bewegung, aber zum Beispiel keine Bergsteiger. Auch ist es wichtig, sich vorher über eine mögliche Leinenpflicht zu informieren, sie ist durch das Feld- und Forstordnungsgesetz bundeseinheitlich vorgeschrieben, aber regional manchmal außer Kraft gesetzt. Vorsicht auf Almweiden! Das Durchqueren mit einem Hund kann Rinder aggressiv machen. Sollte ein Weidetier den Hund attackieren wollen, sollte man ihn zum eigenen Schutz einfach laufen lassen. Wenn das Rind womöglich mitten auf dem Weg steht und man kann nicht ausweichen, dann den Hund lieber in sicherer Entfernung anleinen und alleine versuchen, das liebe Vieh zum Weitergehen zu bewegen.
| Das kleine Wander-1x1 |
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| Die richtige Wanderkleidung Funktionelle Kleidung ist heutzutage bei jeder Sportart angesagt. Beim Wandern ist sie hilfreich, aber kein Muss – sie trägt allerdings zum Wohlfühlen bei. Vor allem Funktionsunterwäsche sorgt für das richtige Klima auf der Haut. Grundsätzlich ist die „Zwiebeltaktik“ empfehlenswert. Wichtiger als die Kleidung sind die Wanderschuhe und Socken. Richtige Wanderschuhe haben einen hohen Schaft, der das Fußgelenk schützt und eine rutschfeste, profilierte und stabile Sohle, die den Fuß vor dem Durchdrücken von Steinen schützt. Missachtet wird gerne die Wandersocke, dabei gilt es hier, darauf zu achten, dass sie keine Feuchtigkeit sammelt. Sie darf bei Wärme nicht aufquellen und soll wenn möglich Stöße dämpfen können. Hier lohnt es sich, zu investieren. Dabei sein sollte auch immer eine Wind- und Wetterjacke. Selbstverständlich ist auch der Sonnenschutz in Form einer Kopfbedeckung, eine Sonnenbrille und Sonnencreme. Wer eine Bergwanderung plant, der kann ruhig einen Trekkingstock mitnehmen. Er gibt Halt und Trittsicherheit. Das spart Kraft und entlastet die Gelenke und Bänder. |
Alles gepackt?
Rucksack ca. 25 bis 30 Liter mit einem |


Planen Sie Ihre Tour vorab gründlich. Informieren Sie sich über Distanz, Höhenprofil, Schwierigkeitsgrad und Gehzeit der Wanderroute sowie allfällige Gefahren (z. B. abschüssiges Gelände, Grashänge, Steinschlag, Schneefelder). Legen Sie am besten auch im Voraus die Rastplätze fest. Besorgen Sie sich gutes Kartenmaterial.